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12 Sep 2019

ESG-Investments: Was sind die Gründe für den Boom?

2019 haben ESG-Investments – also Anlagen, bei denen ökologische, soziale und Governance-Aspekte berücksichtigt werden, – den Sprung an den Massenmarkt geschafft. Egal ob es um Arbeitsbedingungen, Geschlechtervielfalt, transparente Reportingmethoden oder Klimaschutz geht: Die Anleger fragen bei den Unternehmen gezielt nach und bringen so das Konzept der „Rendite um jeden Preis“ ins Wanken.

Und die Unternehmen reagieren. Knapp 200 CEOs großer US-Unternehmen wie Apple, Walmart und Amazon haben jüngst erklärt, dass der Shareholder Value nicht mehr den höchsten Stellenwert einnehmen sollte und sich ihre Bemühungen künftig stärker auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer sowie auf den Schutz der Umwelt und des Allgemeinwohls konzentrieren werden.1

Dieser Artikel ist der erste einer Serie kurzer Beiträge über die Bedeutung von ESG-Faktoren bei der Portfoliozusammenstellung. In dieser ersten Ausgabe befassen wir uns mit den Gründen für den wachsenden Zulauf, den ESG-Investments momentan erfahren.

  • Was steckt hinter dem ESG-Trend? Welche Entwicklungen prägen den ESG-Bereich?
  • Wie treffen Anleger ihre ESG-Entscheidungen? Wo finden Anleger ESG-Daten?
  • Ist es sinnvoll, bei ESG-Investments einen passiven Ansatz zu verfolgen?
     

Was sind die Gründe für den ESG-Trend?

1. Die Finanzkrisen der jüngsten Vergangenheit

Die Anleger haben aus der internationalen Finanzkrise von 2007/2008 und Unternehmensskandalen wie der Volkswagen-Abgasaffäre oder dem Ölleck der BP-Bohrplattform Deepwater Horizon die Lehre gezogen, dass es gefährlich ist, den Fokus nur auf die nahe Zukunft zu richten und die eigene Verantwortung als Investor zu vernachlässigen. In zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Fällen haben diese Skandale für deutliche Kursverluste gesorgt und ganze Finanzmärkte in Unruhe versetzt. Für die Anleger sind sie Anlass, Unternehmen künftig auch unter ESG-Gesichtspunkten genau auf die Finger zu schauen.
 

2. Stärkeres Bewusstsein für den Klimawandel

Immer mehr Anleger werden sich zunehmend des Ausmaßes und der potenziellen Folgen des Klimawandels bewusst. Globale Initiativen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und zum verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien wirken sich auf Investments in die unterschiedlichsten Sektoren – nicht nur in die Energiebranche – aus. Nahrungsmittelproduktion, Wasserversorgung, Forstwirtschaft und Tourismus – in all diesen Branchen wird die Energiewende spürbar werden, und Investoren wird allmählich klar, dass langfristige Renditen nur dann möglich sind, wenn sie Projekte zur Senkung der CO2-Emissionen fördern und nachhaltige Unternehmen unterstützen. Viele Anleger handeln selbst proaktiv und nutzen ESG-Filter, um ihr Kapital bewusst in die Vorreiter dieses Wandels zu lenken.
 

3. Regulatorischer Druck

Auch die Regulierungsbehörden üben inbesondere auf professionelle Anleger Druck aus, bei treuhänderischen Anlagen ESG-Risikoanalysen und entsprechende Offenlegungen in den Anlageprozess zu integrieren. Inzwischen haben die weltweit größten Vermögensverwalter größtenteils die von den Vereinten Nationen unterstützten Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren (PRI) unterzeichnet. Zusammengenommen macht dies ein verwaltetes Vermögen von 86 Bio. US$2 aus – ein Wert, der in den letzten zehn Jahren enorm gestiegen ist.
 

Auf welcher Grundlage können Anleger ESG-Entscheidungen für ihr Portfolio treffen?

Immer mehr und ausführlichere ESG-Informationen sind öffentlich verfügbar, was es den Analysten erleichtert, die Performance von Unternehmen auch nach ESG-Kriterien zu beurteilen.

Gemäß der EU-Richtlinie über die Angabe nichtfinanzieller Informationen müssen beispielsweise seit Januar 2017 alle börsennotierten Unternehmen in der EU, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, in ihren Geschäftsberichten verschiedene Informationen zu Umwelt, sozialen Aspekten und Mitarbeitern sowie zu Menschenrechten und Korruption offenlegen.

Spezielle ESG-Datenbanken von staatlichen Stellen, Nichtregierungsorganisationen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie ESG-Scoring- und ‑Bewertungssysteme von Ratingagenturen, die nichtfinanzielle Kriterien analysieren, helfen den Anlegern ebenfalls dabei, sich ein deutlich umfassenderes Bild von der ESG-Performance eines Unternehmens zu verschaffen.

In zahlreichen Ländern haben aktuelle politische Nachhaltigkeitsinitiativen mit großer Tragweite Eingang in die nationale Gesetzgebung gefunden. Hierzu zählt etwa das 2015 bei der Klimakonferenz in Paris verabschiedete Abkommen, in dessen Rahmen sich 195 Länder dazu verpflichtet haben, die Erderwärmung auf höchstens 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen.

Diese Maßnahmen werden in zunehmendem Maße auch in Indizes abgebildet, die es Investoren ermöglichen, einfach einen Korb aus Unternehmen mit überprüften ESG-Praktiken zu erwerben.
 

Welcher Anlageansatz eignet sich für ESG-Investments am besten?

Zwar setzen viele ESG-Anleger auf eine aktive Titelauswahl. Eine passive oder indexbasierte Anlagestrategie eignet sich jedoch ebenso gut für ESG-Investments. Mit nachhaltigkeitsorientierten Indizes lassen sich viele unterschiedliche Anlagestrategien verfolgen, beispielsweise die Berücksichtigung von ESG-Kriterien, bestimmte Überzeugungen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit oder Themen im Zusammenhang mit den UN-Nachhaltigkeitszielen.

Dank passiver Anlagestrategien kann jedermann kostengünstig Zugang zu den Finanzmärkten erhalten. Damit ist diese Art der Anlage mit einer Schwerpunktsetzung auf ESG-Kriterien voll und ganz vereinbar. Zudem sind sowohl passive als auch ESG-Anlagestrategien datenbasiert. Nach Schätzungen des Indexanbieters MSCI sind zwischen 2014 und dem 2. Quartal 2019 180 Mrd. US$ in seine ESG-Indizes geflossen.

Lyxor geht davon aus, dass Finanzindizes im Bereich nachhaltiger Anlagen weiter an Bedeutung gewinnen werden. So verwenden politische Entscheidungsträger inzwischen Benchmarks, um Anlegerentscheidungen zu beeinflussen und Kapitalflüsse umzuleiten. Eine gerade entstehende neue Generation von ESG-Benchmarks dient nicht mehr nur der Messung von ESG-Risiken, sondern soll außerdem eine spürbare Wirkung erzielen, beispielsweise im Hinblick auf der Pariser Klimaschutzziele.
 

Fazit:

  • Der Siegeszug von ESG-Anlagen ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: Druck von unten seitens der Anleger und Druck von oben durch politische Initiativen.
  • Immer mehr Anleger legen – unter Berücksichtigung ihrer Vorgaben zum Risiko-Rendite-Profil – inzwischen Wert auf eine möglichst starke ESG-Performance.
  • Neu entwickelte ESG-Benchmarks sollen merklich zur Erreichung wichtiger globaler Zielsetzungen beitragen.
     

Im nächsten Artikel dieser Reihe...

...werfen wir einen Blick auf Kapitalflüsse: Wie groß ist die Nachfrage nach aktiven oder passiven ESG-Fonds? Welche Schlüsse über die ESG-Nachfrage können wir aus ETF-Kapitalflüssen ziehen?
 

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ist nicht als Anlageberatung zu verstehen. Die in diesem Artikel erwähnten Unternehmen werden in keinerlei Weise von Lyxor ETF empfohlen oder beworben. Ihr Kapital unterliegt Risiken. Bitte lesen Sie unsere nachstehenden Risikohinweise.
1Quelle: Forbes, August 2019, Nearly 200 CEOs Say Shareholder Value Isn’t Everything.
2Quelle: UN PRI, Stand: Ende Juni 2019.


Risikohinweise

Als Investor sollten Sie die Risiken berücksichtigen, denen Sie mit einer Anlage in ETFs ausgesetzt sind. Eine Beschreibung dieser Risiken finden Sie hier, im Verkaufsprospekt oder auf www.lyxoretf.de.

Kapitalrisiko: Da ETFs einen Index abbilden, ähnelt auch ihr Risiko einer direkten Anlage im zugrundeliegenden Index. Im Fall einer negativen Wertentwicklung des Index erhalten Anleger den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht zurück.

Abbildungs- oder Replikationsrisiko: Es ist möglich, dass ein ETF seine Anlageziele aufgrund unerwarteter Ereignisse an den zugrunde liegenden Märkten nicht erreicht, sofern diese Ereignisse eine Indexberechnung und effiziente Abbildung beeinträchtigen.

Mit dem Basiswert verbundene Risiken: Der einem ETF zugrunde liegende Index kann komplex sein und starken Wertschwankungen aufweisen (Volatilität). Bei einer Anlage in Rohstoffen steht der zugrunde liegende Index möglicherweise in Beziehung zu Rohstoff-Futures-Kontrakten, durch die Anleger einem Liquiditäts- und Kostenrisiko (etwa Lager-, Fracht- und Transportkosten) ausgesetzt sein könnten. ETFs, die ein Engagement in Schwellenländern (Emerging Markets) verkörpern, beinhalten deren vielfältige und typische Risiken, wie etwa politische Risiken, und können daher größere Verlustrisiken aufweisen als Anlagen in Industrieländern (Developed Markets).

Wechselkursrisiko: ETFs unterliegen immer dann einem Wechselkursrisiko, wenn der ETF auf eine andere Währung lautet als die des zugrunde liegenden abgebildeten Index. Die Schwankungen des Wechselkurses der Währungen können die Rendite der Anlage sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

Liquiditätsrisiko: Die Société Générale und weitere zugelassene Market Maker stellen an den Börsen Geld-Brief-Kurse, um einen liquiden Handel von Lyxor ETFs zu gewährleisten. Die Liquidität eines ETFs kann in Folge einer Marktstörung, die Bestandteile des zugrunde liegenden Index betrifft, beeinträchtigt werden. Ferner können Marktunterbrechungen an den Börsen der ETF-Notierung oder Systemausfälle in den Handelssystemen der Société Générale oder der Market Maker oder andere außergewöhnliche Handelssituationen und -ereignisse die Liquidität einschränken.

DIESER ARTIKEL RICHTET SICH AUSSCHLIESSLICH AN PROFESSIONELLE INVESTOREN

Dieser Artikel ist für die ausschließliche Verwendung durch Anleger bestimmt, die auf eigene Rechnung handeln und gemäß der Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente entweder als „geeignete Gegenparteien“ oder als „professionelle Kunden“ eingestuft sind. Es ist nicht für Privatanleger bestimmt. In der Schweiz ist es ausschließlich für qualifizierte Anleger bestimmt.

Kunden sollten prüfen, ob jegliche in diesem Research-Dokument enthaltene Beratung oder Empfehlung zu ihren persönlichen Umständen passt, und ggf. professionelle Beratung, einschließlich steuerliche Beratung, in Anspruch nehmen. Unsere Verkaufsmitarbeiter, Händler und andere Fachleute geben gegenüber unseren Kunden und eigenen Handelsabteilungen möglicherweise mündliche oder schriftliche Marktkommentare ab, die den Meinungen, die in diesem Research-Dokument zum Ausdruck kommen, zuwiderlaufen. Unser Bereich Vermögensverwaltung, die eigenen Handelsabteilungen und investierende Unternehmen treffen möglicherweise Anlageentscheidungen, die im Widerspruch zu den Empfehlungen oder Meinungen stehen, die in diesem Research-Dokument zum Ausdruck kommen.Das Material spiegelt die Ansichten und Meinungen der jeweiligen Autoren zum jeweiligen Zeitpunkt wider und stellt in keiner Weise eine offizielle Stellungnahme oder Beratung durch die Autoren bzw. durch Lyxor International Asset Management dar. Daher können Lyxor International Asset Management, seine Führungskräfte oder Angestellten keine Verantwortung übernehmen. Dieses Research-Dokument stellt weder ein Verkaufsangebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Kaufangebots für jegliche Wertpapiere in Rechtsgebieten dar, in denen solche Angebote oder Aufforderungen gegen das Gesetz verstoßen würden. Es stellt keine persönliche Empfehlung dar und berücksichtigt nicht die individuellen Anlageziele, die finanzielle Situation und die Anforderungen einzelner Kunden.

Zulassungen: Lyxor International Asset Management (Lyxor AM) ist eine französische Anlageverwaltungsgesellschaft, die von der Autorité des Marchés Financiers zugelassen ist und den Bestimmungen der EU-Richtlinien für OGAW (2009/65/EG) und AIFM (2011/61/EU) unterliegt.

Interessenkonflikte

Dieses Research-Dokument enthält die Einschätzungen, Meinungen und Empfehlungen von Research-Analysten und/oder Strategen von Lyxor International Asset Management („LIAM“) aus den Bereichen Cross Asset und ETF. Sofern dieses Dokument Anlageideen enthält, die auf Makro-Einschätzungen der wirtschaftlichen Marktbedingungen oder dem relativen Wert beruhen, können diese von den grundsätzlichen Meinungen von Cross Asset und ETF Research und Empfehlungen in Sektor- oder Unternehmens-Research-Berichten von Cross Asset und ETF Research sowie von den Einschätzungen und Meinungen anderer Abteilungen von LIAM oder ihren Tochtergesellschaften abweichen. Die Research-Analysten und/oder Strategen von Lyxor Cross Asset und Lyxor ETF konsultieren regelmäßig LIAM-Mitarbeitende aus dem Vertrieb und der Portfolioverwaltung in Bezug auf Marktinformationen, darunter Marktkurse, Spreads und Handelsaktivität von ETFs, die Aktien-, Anleihe- und Rohstoffindizes nachbilden. Die Handelsabteilungen können oder konnten in der Vergangenheit Transaktionen grundsätzlich auf Basis der Einschätzungen und Berichte der Research-Analysten durchführen. Lyxor verfügt über verbindliche Research-Richtlinien und -Verfahren, die angemessen (i) sicherstellen sollen, dass in Research-Berichten angegebene Fakten auf zuverlässigen Informationen beruhen, und (ii) verhindern sollen, dass Research-Berichte unangemessen selektiv oder in unangemessener Staffelung veröffentlicht werden. Zudem hängt die Vergütung der Research-Analysten zum Teil von der Qualität und Genauigkeit ihrer Analysen ab, vom Kundenfeedback und von Wettbewerbsfaktoren sowie von den Gesamterlösen von LIAM, einschließlich Erlösen aus Anlageverwaltungsgebühren, Anlageberatungsgebühren und Vertriebsgebühren.

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